Amazon Customer Journey optimieren: Alle Phasen im Blick

Amazon Customer Journey optimieren: Alle Phasen im Blick

Wer auf Amazon nur auf Kampagnen schaut, steuert häufig am eigentlichen Problem vorbei. Hohe Klickkosten, ein schwankender ACoS oder stagnierende Umsätze sind nicht automatisch reine Advertising-Themen. Wenn Du die Amazon Customer Journey optimieren willst, musst Du den gesamten Weg betrachten – von der ersten Suchanfrage über die Produktdetailseite und den Kauf bis zum möglichen Wiederkauf.

Die Amazon Customer Journey beschreibt alle relevanten Kontaktpunkte, die eine Kaufentscheidung beeinflussen. Dazu gehören nicht nur Werbeanzeigen, sondern auch organische Sichtbarkeit, Hauptbild, Titel, Preis, Bewertungen, Lieferzeit, Buy Box, Produktcontent und Verfügbarkeit.

Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser Faktoren. Mehr Budget löst strukturelle Schwächen selten. Bessere Entscheidungen entlang der gesamten Journey schon.

Warum die Customer Journey auf Amazon anders funktioniert

Amazon ist kein klassischer Onlineshop und auch kein reiner Werbekanal. Viele Nutzer kommen mit einer konkreten Kaufabsicht auf die Plattform, vergleichen mehrere Angebote und treffen ihre Entscheidung innerhalb kurzer Zeit.

Das verändert die Customer Journey grundlegend.

In vielen D2C-Setups können Marken Interessenten über Newsletter, Social Media oder eigene Remarketing-Strecken langfristig begleiten. Auf Amazon sind diese Möglichkeiten begrenzter. Dafür wirken die einzelnen Touchpoints unmittelbar aufeinander:

  • Suchergebnis und Anzeigenplatzierung
  • Hauptbild und Produkttitel
  • Preis und Lieferzeit
  • Sternebewertung und Rezensionen
  • Produktdetailseite und A+ Content
  • Buy Box und Warenverfügbarkeit
  • Markenpräsenz und Produktauswahl

Wenn einer dieser Punkte nicht wettbewerbsfähig ist, verliert die gesamte Journey an Wirkung.

Für Marken bedeutet das: Du brauchst keine abstrakte Funnel-Theorie, sondern einen belastbaren Blick auf konkrete Kaufbarrieren. Wo fehlt relevante Sichtbarkeit? Welche Suchanfragen erzeugen Klicks, aber keine Bestellungen? Warum überzeugt das Produkt im direkten Vergleich nicht? Und an welcher Stelle arbeiten Advertising, Content und Retail-Faktoren noch nicht sauber zusammen?

Amazon Customer Journey optimieren heißt, in Phasen zu denken

Die Customer Journey lässt sich auf Amazon sinnvoll in vier Phasen unterteilen:

  1. Aufmerksamkeit und relevante Sichtbarkeit
  2. Consideration und Produktvergleich
  3. Conversion und Kaufabschluss
  4. Nachkauf und Wiederkauf

Diese Perspektive ist oft hilfreicher als eine reine Einteilung nach Werbeformaten. Sie zeigt, an welcher Stelle ein Problem entsteht und welcher Hebel tatsächlich dazu passt.

1. Aufmerksamkeit: Wirst Du bei den richtigen Suchanfragen sichtbar?

Am Anfang steht nicht möglichst viel Reichweite, sondern relevante Sichtbarkeit. Dein Produkt muss dort erscheinen, wo Nutzer mit einer passenden Such- und Kaufabsicht unterwegs sind.

Genau hier entstehen in vielen Accounts die ersten Effizienzprobleme. Unternehmen investieren in Sponsored Products oder Sponsored Brands, obwohl:

  • Keywords nicht klar priorisiert sind,
  • Suchintentionen vermischt werden,
  • Produkte keine eindeutige Differenzierung besitzen,
  • das organische Fundament schwach ist,
  • oder das Angebot im Suchergebnis nicht konkurrenzfähig wirkt.

In solchen Fällen wird Sichtbarkeit eingekauft, ohne dass der zusätzliche Traffic ausreichend Umsatz oder Deckungsbeitrag erzeugt.

Für diese Phase sind vor allem drei Fragen entscheidend:

Erreichst Du die richtigen Suchumfelder?

Nicht jedes Keyword mit hohem Suchvolumen ist automatisch relevant. Ein allgemeiner Suchbegriff kann zwar Reichweite bringen, aber trotzdem wenig zum wirtschaftlichen Ergebnis beitragen.

Suchbegriffe sollten deshalb nicht nur nach Volumen, sondern auch nach Relevanz, Wettbewerb, Conversion-Potenzial und Produktpositionierung bewertet werden.

Ist Dein Angebot im Suchergebnis klickwürdig?

Noch vor dem Klick vergleicht der Nutzer:

  • Hauptbild
  • Titel
  • Preis
  • Sternebewertung
  • Anzahl der Rezensionen
  • Lieferzeit
  • Prime-Status
  • Coupons oder Angebote

Advertising kann eine gute Position schaffen. Ob daraus ein Klick entsteht, entscheidet jedoch das Gesamtangebot.

Trennst Du unterschiedliche Traffic-Arten sauber?

Brand-, Generic- und Competitor-Traffic erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Brand-Traffic greift bestehende Markennachfrage ab oder verteidigt sie. Generic-Traffic erreicht Nutzer, die nach einer Produktart oder Lösung suchen. Competitor-Traffic kann neue Zielgruppen erschließen, ist aber häufig teurer und vergleichsintensiver.

Wer diese Bereiche vermischt, verliert Transparenz. Dann lässt sich kaum beurteilen, welche Kampagnen Nachfrage erzeugen, welche sie nur abholen und wo Budget tatsächlich in Wachstum investiert wird.

2. Consideration: Warum sollte der Kunde Dein Produkt wählen?

Sobald ein Nutzer auf dem Listing landet, beginnt die eigentliche Überzeugungsarbeit. In dieser Phase geht es nicht mehr nur um Sichtbarkeit, sondern um Relevanz, Differenzierung und Vertrauen.

Ein starkes Listing beantwortet innerhalb kurzer Zeit die wichtigsten Fragen:

  • Was ist das Produkt?
  • Für wen ist es gedacht?
  • Welches Problem löst es?
  • Was unterscheidet es von Alternativen?
  • Welche Eigenschaften sind für die Kaufentscheidung relevant?
  • Warum ist der Preis nachvollziehbar?

Dazu gehören ein klarer Titel, aussagekräftige Bilder, verständliche Bullet Points und eine überzeugende Nutzenargumentation. A+ Content kann zusätzliche Informationen vermitteln, Vergleiche erleichtern und die Markenwahrnehmung stärken. Für die strukturierte Aufbereitung von Produktbeschreibungen kann beispielsweise ein kostenloser Amazon HTML Editor unterstützen.

Auch Bewertungen spielen eine wichtige Rolle. Dabei zählt nicht nur die reine Anzahl. Relevant ist ebenso, welche Fragen, Einwände und Nutzungserfahrungen in den Rezensionen sichtbar werden.

Aus unserer Arbeit mit Amazon Accounts zeigt sich häufig: Was zunächst wie ein Kampagnenproblem aussieht, ist in Wirklichkeit ein Positionierungs- oder Listing-Problem. Gute Anzeigen bringen zwar Nutzer auf die Detailseite. Sie können aber nicht ausgleichen, wenn das Produkt dort unklar, austauschbar oder im Wettbewerbsvergleich zu schwach präsentiert wird.

3. Conversion: Kaufbarrieren konsequent reduzieren

In der Conversion-Phase entscheidet sich, ob aus Interesse tatsächlich eine Bestellung wird. Dabei gibt es selten nur einen einzelnen Grund für eine schwache Conversion Rate.

Häufig summieren sich mehrere kleinere Reibungspunkte:

  • Der Preis liegt über vergleichbaren Angeboten.
  • Die Lieferzeit ist länger als beim Wettbewerb.
  • Die Buy Box ist nicht stabil verfügbar.
  • Das Bewertungsprofil passt nicht zum Preisniveau.
  • Varianten sind unübersichtlich aufgebaut.
  • Relevante Produktinformationen fehlen.
  • Das Produkt ist in einer unpassenden Suchumgebung sichtbar.
  • Die gewünschte Variante ist nicht auf Lager.

Deshalb reicht es nicht, bei einer sinkenden Conversion Rate pauschal die Gebote zu reduzieren. Zuerst muss klar sein, wo die Ursache liegt.

Ein typisches Beispiel: Eine Kampagne erzielt eine hohe Klickrate, aber nur wenige Bestellungen. Das kann bedeuten, dass die Anzeige grundsätzlich relevant ist. Der Abbruch entsteht dann möglicherweise erst auf der Produktdetailseite – etwa durch Preis, Bewertungen, Lieferzeit oder eine unklare Nutzenargumentation.

Es kann aber genauso gut sein, dass die Suchanfrage zwar Neugier erzeugt, aber nicht zur tatsächlichen Produktpositionierung passt.

Aus Agenturperspektive ist deshalb entscheidend, Symptome und Ursachen zu trennen. Ein niedrigeres Gebot kann kurzfristig Kosten reduzieren. Es löst jedoch nicht das strukturelle Problem, wenn das Listing oder das Angebot nicht wettbewerbsfähig ist.

Eine schwache Conversion kann außerdem die weitere Entwicklung des Produkts erschweren. Sie ist nicht der einzige Faktor für organische Sichtbarkeit, beeinflusst aber, wie effizient vorhandener Traffic in Verkäufe übersetzt wird. Advertising, Listing-Qualität und organische Entwicklung sollten deshalb gemeinsam bewertet werden.

4. Nachkauf und Wiederkauf: Wie aus Käufern wiederkehrende Kunden werden

Die Customer Journey endet nicht automatisch mit dem ersten Kauf. Besonders bei Verbrauchsprodukten, Ergänzungsprodukten oder Sortimenten mit natürlichem Wiederkaufszyklus ist die Zeit nach der Bestellung wirtschaftlich relevant.

Allerdings lässt sich nicht jedes Produkt gleich behandeln. Bei langlebigen oder selten gekauften Artikeln kann Cross-Selling innerhalb des Sortiments wichtiger sein als ein direkter Wiederkauf. Bei regelmäßig benötigten Produkten spielen dagegen Kaufintervalle und Wiederkaufswahrscheinlichkeit eine größere Rolle.

Mögliche Hebel sind:

  • ein konsistentes Produkterlebnis,
  • eine klare Markenpräsenz,
  • ein sinnvoll aufgebautes Sortiment,
  • passende Ergänzungsprodukte,
  • Subscribe & Save, sofern für Produkt und Account verfügbar,
  • Sponsored Display oder DSP zur erneuten Zielgruppenansprache,
  • sowie eine saubere Analyse typischer Kaufintervalle.

Sponsored Display und DSP können dabei helfen, relevante Zielgruppen nach vorherigen Produkt- oder Markenkontakten erneut anzusprechen. Welche Segmente tatsächlich verfügbar und sinnvoll sind, hängt jedoch vom Werbeformat, der Kategorie, dem Markt und der vorhandenen Datenbasis ab.

Wichtig ist auch hier die wirtschaftliche Einordnung. Wiederkauf ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, ob aus den zusätzlichen Kontakten profitabler Folgeumsatz entsteht und welche Rolle das Produkt innerhalb des gesamten Sortiments spielt.

Welche Rolle Amazon Advertising entlang der Journey spielt

Amazon Ads sind kein isolierter Performance-Kanal. Sie verstärken, was im Setup bereits angelegt ist – im positiven wie im negativen Sinn.

Gute Kampagnen können:

  • relevante Nachfrage abgreifen,
  • Produktlaunches unterstützen,
  • Markenpräsenz ausbauen,
  • Marktanteile verteidigen,
  • neue Suchumfelder erschließen,
  • und passende Zielgruppen erneut ansprechen.

Schwache Voraussetzungen machen dagegen selbst gut strukturierte Kampagnen teuer.

Sponsored Products

Sponsored Products sind besonders relevant, wenn Nutzer bereits aktiv nach einem Produkt oder einer konkreten Lösung suchen. Sie können bestehende Nachfrage effizient abgreifen, funktionieren aber nur dann nachhaltig, wenn Suchanfrage, Produkt und Listing zusammenpassen.

Sponsored Brands

Sponsored Brands können Marken sichtbarer machen und Nutzer zu einem Sortiment, einem Brand Store oder ausgewählten Produkten führen. Sie sind besonders interessant, wenn nicht nur eine einzelne ASIN, sondern auch Markenorientierung und Sortimentsbreite eine Rolle spielen.

Sponsored Display und DSP

Sponsored Display und DSP erweitern die Möglichkeiten über die direkte Produktsuche hinaus. Sie können genutzt werden, um Zielgruppen nach Interessen, Produktkontakten oder weiteren verfügbaren Signalen anzusprechen.

DSP bietet dabei umfangreichere Zielgruppen-, Inventar- und Auswertungsmöglichkeiten. Der Einsatz ist jedoch nicht automatisch für jede Marke oder jedes Produkt sinnvoll.

Nicht jedes Sortiment braucht eine vollständig ausdifferenzierte Journey-Architektur. Bei klar nachfragegetriebenen Bestsellern kann ein fokussiertes Setup aus Suchabdeckung, Listing-Stärke und sauberem Bid-Management ausreichen.

Bei erklärungsbedürftigen Produkten, Launches, komplexeren Sortimenten oder margensensiblen Kategorien ist ein differenzierterer Ansatz häufig wertvoller. Kategorie, Wettbewerb, Marge und Reifegrad des Accounts bestimmen, wie komplex die Steuerung tatsächlich sein sollte.

Daten statt Bauchgefühl: Wo Du die Customer Journey messen solltest

Wenn Du die Amazon Customer Journey optimieren willst, brauchst Du keine möglichst große Datenmenge. Du brauchst Kennzahlen, aus denen sich konkrete Entscheidungen ableiten lassen.

Der ACoS allein reicht dafür nicht aus. Er zeigt, wie hoch die Werbekosten im Verhältnis zum werbegenerierten Umsatz sind. Er sagt aber nicht, ob sich das Gesamtgeschäft profitabel entwickelt, ob organischer Umsatz entsteht oder welche Rolle die Kampagne innerhalb der Strategie erfüllt.

Sinnvoller ist eine Betrachtung auf mehreren Ebenen.

Sichtbarkeit und Relevanz

Je nach Kampagnentyp und verfügbarer Datenbasis können unter anderem folgende Kennzahlen relevant sein:

  • Impressions
  • Klickrate
  • Suchbegriff- und Keyword-Performance
  • Platzierungsdaten
  • Search Term Impression Share, sofern verfügbar
  • Anteil relevanter gegenüber irrelevanten Suchanfragen

Diese Werte zeigen, ob ein Produkt in den richtigen Umfeldern sichtbar wird und ob das Angebot im Suchergebnis Interesse erzeugt.

Listing und Conversion

Für die Produktdetailseite sind unter anderem relevant:

  • Sitzungen oder Detailseitenaufrufe
  • Conversion Rate
  • Buy-Box-Verfügbarkeit
  • Preisentwicklung
  • Lieferfähigkeit
  • Variantenperformance
  • Bewertungsentwicklung

Die genaue Datenverfügbarkeit hängt davon ab, ob ein Account als Seller oder Vendor arbeitet und welche Reports genutzt werden können.

Advertising und Wirtschaftlichkeit

Für die wirtschaftliche Steuerung sollten mehrere Kennzahlen zusammengedacht werden:

  • CPC
  • ACoS
  • TACoS
  • Werbeumsatz
  • Gesamtumsatz
  • Marge und Deckungsbeitrag
  • organischer Umsatzanteil
  • Lagerbestand
  • Produkt- und Sortimentsrolle

Ein niedriger ACoS ist nicht automatisch gut. Wenn dadurch relevante Suchbegriffe zu früh begrenzt werden, kann Wachstums- oder Sichtbarkeitspotenzial verloren gehen.

Ein höherer ACoS ist ebenfalls nicht automatisch schlecht. Bei einem Launch, in einer Wachstumsphase oder bei strategisch wichtigen Neukundenkampagnen kann er bewusst akzeptiert werden – vorausgesetzt, Marge, TACoS und langfristige Wirkung rechtfertigen die Investition.

Customer-Journey- und Zielgruppendaten

Wenn AMC, DSP oder weitere geeignete Datenquellen verfügbar sind, können zusätzliche Fragen untersucht werden:

  • Welche Kontaktfolgen treten vor einem Kauf auf?
  • Welche Zielgruppen reagieren auf bestimmte Werbeformate?
  • Wie lang ist der Zeitraum zwischen Kontakt und Bestellung?
  • Welche Produkte werden gemeinsam oder nacheinander gekauft?
  • Welche Kampagnen erreichen neue Käufer und welche bestehende Nachfrage?
  • In welchen Abständen entstehen Wiederkäufe?

Der Wert dieser Daten entsteht nicht durch die Auswertung selbst, sondern durch die Entscheidung, die daraus folgt.

Wenn eine Kampagne viele Klicks, aber kaum Bestellungen erzeugt, ist ein Gebotsschnitt nicht automatisch der richtige nächste Schritt. Vielleicht passt die Suchanfrage nicht zur Produktpositionierung. Vielleicht ist das Listing im Vergleichsfeld zu schwach. Vielleicht erreicht die Kampagne überwiegend preisorientierte Nutzer, während das Produkt über Qualität verkauft werden soll.

Typische Fehler, die die Customer Journey ausbremsen

Viele Accounts verlieren Performance nicht wegen fehlender Maßnahmen, sondern wegen fehlender Abstimmung. Advertising, Content und Retail-Themen laufen nebeneinander, obwohl sie gemeinsam auf ein Ziel einzahlen müssten.

Nicht retail-ready Produkte werden skaliert

Budget fließt auf ASINs, obwohl Preis, Buy Box, Bewertungen, Verfügbarkeit oder Listing-Qualität nicht konkurrenzfähig sind. Mehr Traffic verstärkt dann das Problem, statt es zu lösen.

Listing-Änderungen werden nicht in Kampagnen übertragen

Ein Produkt wird neu positioniert, der Titel verändert oder das Sortiment umgebaut. Kampagnenstruktur und Keyword-Set bleiben jedoch unverändert. Dadurch passen Advertising und Produktkommunikation nicht mehr sauber zusammen.

Kampagnen werden nur nach kurzfristigem ACoS bewertet

Maßnahmen werden gestoppt, obwohl sie relevante Neukunden erreichen, organische Sichtbarkeit unterstützen oder strategisch wichtige Suchumfelder erschließen.

Umgekehrt bleiben Kampagnen bestehen, weil ihr ACoS niedrig ist, obwohl sie überwiegend bestehende Markennachfrage abgreifen und kaum zusätzliches Wachstum erzeugen.

Alle Produkte werden gleich gesteuert

Nicht jede ASIN erfüllt dieselbe Aufgabe.

Hero-Produkte, Launches, margenschwache Artikel, Ergänzungsprodukte und Verteidigungsprodukte benötigen unterschiedliche Zielwerte, Budgets und Prioritäten. Eine einheitliche Steuerungslogik verhindert deshalb häufig eine sinnvolle Ressourcenverteilung.

Brand-, Generic- und Competitor-Traffic werden vermischt

Wenn unterschiedliche Suchintentionen in denselben Kampagnen und Auswertungen zusammenlaufen, entstehen Durchschnittswerte ohne ausreichende Aussagekraft. Die Folge sind unklare Zielwerte und pauschale Optimierungen.

So gehst Du pragmatisch an die Optimierung heran

Der beste Einstieg ist selten ein kompletter Umbau. Meist ist ein strukturierter Audit entlang der Journey sinnvoller.

Schritt 1: Produkte und Ziele priorisieren

Prüfe zuerst, welche Produkte tatsächlich skaliert werden sollen.

Dabei zählen nicht nur Umsatzpotenzial und Nachfrage, sondern auch:

  • Marge
  • Lagerbestand
  • Buy Box
  • Preisposition
  • Bewertungen
  • Listing-Qualität
  • strategische Sortimentsrolle

Nicht jedes Produkt verdient zum gleichen Zeitpunkt zusätzliche Reichweite.

Schritt 2: Retail Readiness bewerten

Bevor Du mehr Budget investierst, sollte geklärt sein, ob das Produkt grundsätzlich kaufbereit aufgestellt ist.

Ein starkes Kampagnensetup kann fehlende Verfügbarkeit, einen unattraktiven Preis oder ein schwaches Listing nicht dauerhaft kompensieren.

Schritt 3: Suchumfelder und Traffic-Arten analysieren

Für welche Suchbegriffe willst Du sichtbar sein? Wo bist Du bereits präsent? Welche Suchanfragen bringen relevanten Umsatz und welche erzeugen nur Kosten?

Trenne dabei Brand-, Generic- und Competitor-Traffic, damit Ziele und Wirtschaftlichkeit nachvollziehbar bleiben.

Schritt 4: Größten Engpass identifizieren

Nicht jede Baustelle hat denselben Hebel.

Eine starke ASIN mit guter Marge und schwacher Sichtbarkeit kann zusätzliche Reichweite benötigen. Ein Produkt mit viel Traffic und niedriger Conversion braucht dagegen möglicherweise zuerst bessere Inhalte, einen wettbewerbsfähigeren Preis oder eine stabilere Buy Box.

Schritt 5: Maßnahmen priorisieren und Wirkung messen

Passe Kampagnenstruktur, Gebote, Budgetverteilung und Content nicht gleichzeitig ohne klare Hypothese an.

Definiere zuerst:

  • Welches Problem soll gelöst werden?
  • Welche Kennzahl sollte sich dadurch verändern?
  • In welchem Zeitraum ist eine belastbare Bewertung möglich?
  • Welche wirtschaftlichen Nebenwirkungen müssen berücksichtigt werden?

Genau diese Verzahnung ist in der Praxis entscheidend. Bei moinvertise sehen wir regelmäßig, dass die größten Verbesserungen nicht aus einzelnen Tricks entstehen. Sie entstehen durch klare Prioritäten und eine Steuerung, die Kampagnen, Content, Retail-Faktoren und Profitabilität gemeinsam betrachtet.

Customer Journey auf Amazon ist kein Einmalprojekt

Wettbewerb, Klickpreise, Suchverhalten, Werbeinventar und Plattformfunktionen verändern sich laufend. Gleichzeitig entwickeln sich Produkte, Bewertungen, Preise und Sortimente weiter.

Journey-Optimierung ist deshalb keine Maßnahme mit festem Enddatum, sondern ein kontinuierliches Steuerungsmodell.

Das muss nicht unnötig kompliziert sein. Es verlangt aber Disziplin.

Wer regelmäßig prüft,

  • wo relevante Sichtbarkeit fehlt,
  • welche Suchanfragen wirtschaftlich arbeiten,
  • warum die Conversion stagniert,
  • welche Produkte profitabel wachsen können,
  • und wo Advertising strukturelle Probleme nur überdeckt,

baut ein belastbareres Amazon-Setup auf als Marken, die ausschließlich auf den Vormonat reagieren.

Am Ende geht es nicht darum, jede Kennzahl gleichzeitig zu verbessern. Entscheidend ist, den größten Engpass zu identifizieren und dort zu investieren, wo aus Sichtbarkeit relevanter Traffic, aus Traffic Umsatz und aus Umsatz nachhaltige Profitabilität wird.

Wenn Du nicht klar erkennen kannst, an welcher Stelle Deine Amazon Customer Journey aktuell Performance verliert, ist eine strukturierte Analyse von Kampagnen, Listings, Retail Readiness und Wirtschaftlichkeit der sinnvollste nächste Schritt.

FAQ: Amazon Customer Journey optimieren

Was ist die Amazon Customer Journey?

Die Amazon Customer Journey beschreibt alle Kontaktpunkte, die ein Kunde von der Produktsuche bis zum Kauf und möglichen Wiederkauf durchläuft. Dazu gehören Advertising, organische Suchergebnisse, Produktdetailseite, Preis, Bewertungen, Buy Box, Lieferzeit und Produkterfahrung.

Welche Phasen hat die Customer Journey auf Amazon?

Eine praxistaugliche Einteilung umfasst Aufmerksamkeit, Consideration, Conversion sowie Nachkauf und Wiederkauf. Die Phasen beeinflussen sich gegenseitig und sollten nicht getrennt voneinander optimiert werden.

Wie beeinflussen Amazon Ads die Customer Journey?

Amazon Ads schaffen Sichtbarkeit, greifen Nachfrage ab und können passende Zielgruppen erneut erreichen. Ihre Wirkung hängt jedoch stark davon ab, ob Listing, Preis, Bewertungen, Verfügbarkeit und Produktpositionierung wettbewerbsfähig sind.

Warum reicht der ACoS zur Bewertung nicht aus?

Der ACoS betrachtet nur Werbekosten und Werbeumsatz. Für die Gesamtsteuerung sind zusätzlich TACoS, Marge, Gesamtumsatz, organische Entwicklung, Lagerbestand und die strategische Rolle einer Kampagne relevant.

Welche Kennzahlen sind für die Amazon Customer Journey wichtig?

Je nach Phase sind unter anderem Impressions, Klickrate, Conversion Rate, CPC, ACoS, TACoS, Buy-Box-Verfügbarkeit, Marge und Wiederkaufsdaten relevant. Entscheidend ist nicht die Menge der Kennzahlen, sondern die konkrete Ableitung daraus.

Wie lassen sich Wiederkäufe auf Amazon unterstützen?

Wiederkäufe können durch ein gutes Produkterlebnis, eine starke Markenpräsenz, passende Ergänzungsprodukte und – je nach Verfügbarkeit – Subscribe & Save, Sponsored Display oder DSP unterstützt werden. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt stark von Produkt, Kategorie und Kaufzyklus ab.